vom 8. Oktober 2014

Nk: “Gießerei an Politik: Das sind unsere Wünsche”

Artikel aus der Haffzeitung vom 08. Oktober 2014

Der Eisengießerei Torgelow geht es gut. Doch es könnte noch besser sein. Denn Teile für Windkraftanlagen über die Straße nach Dänemark zu liefern, ist aufwändig. Über das Wasser wäre es günstiger. Doch dazu ist Unterstützung aus Schwerin nötig.

Haffzeitung_08102014Torgelow. Der Eisengießerei Torgelow steht gut da. Sogar besser als ursprünglich erwartet, sagt Axel Jagow, Geschäftsführer Produktion und Technik. Das Unternehmen hat zum Jahresende ein Ergebnis von 74 Millionen Euro eingeplant. Wie es derzeit aussieht, werden es aber wohl um die 82 Millionen Euro werden. Ein Ergebnis, das auch die etwa 430 Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen des Unternehmens interessiert. Denn sie bekommen, sagt Axel Jagow, ein besseres Ergebnis in barer Münze, als Boni, bezahlt.  Dass es ein so gutes Ergebnis werden würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Immerhin habe das Unternehmen seine Mitarbeiterzahl reduzieren müssen, verbunden damit auch eine Schichtumstellung vorgenommen. Die Auftragslage ist nach Einschätzung des Geschäftsführers derzeit gut. Trotz der Schwankungen in der Nachurlaubszeit. „Wir haben etwa 14 Tage etwas gehangen, was Aufträge angeht, aber nun ist es so, dass wir Sonnabendschichten fahren müssen“, erklärt Jagow. Die Eisengießerei liefert gute Qualität und kann flexibel auf Nachfragen reagieren. Das honorieren die Auftraggeber.

Alles, was in der Windkraftanlagen-Branche Rang und Namen hat, bestellt bei der Gießerei – Siemens zum Beispiel, auch Nordex. Viele Lieferungen gehen, nach Dänemark. Das ist gut, bringt aber auch Probleme. Denn die Anlagenteile werden mit Spezialfahrzeugen transportiert. Der Weg nach Dänemark führt durch Schleswig-Holstein. Und das Bundesland hat marode Brücken, sagt Jagow. Darum wäre es gut, wenn die Gießerei ihre Erzeugnisse auf dem Wasserweg in den Norden bringen könnte. Die Transportkosten ließen sich auf ein Viertel reduzieren. Einen Hafen dafür gibt es in Berndshof. Der aber müsste ausgebaggert werden, und es fehlt ein Kran für die richtig schweren Teile. „Also 100 Tonnen müsste der mindestens heben können“, sagt Jagow. Und auch die Zufahrt muss angepasst werden. Die Visionen für die Zukunft sind also da, allerdings muss da die Politik mitziehen.

Das weiß Axel Jagow, und darum war es ihm auch sehr recht, dass der SPD-Landtagsabgeordnete Patrick Dahlemann in der Gießerei einen Praxistag absolviert hat. Nicht in Hemd und Schlips, sondern in Latzhose, mit Arbeitshemd und Schutzhelm. Für Dahlemann eine sehr gute Erfahrung, bei der es nicht um schöne Fotos ging. Und für Geschäftsführer Jagow die Möglichkeit, mit einem Landespolitiker das Thema Transport und Infrastruktur zu besprechen. Dahlemann ist dran an dem Thema. Das hat er dem Geschäftsführer versichert. Aber der SPD-Mann weiß, dass es etliche Hürden und viele Fragen gibt. „Das geht nur, wenn die Beteiligten an einem Strang ziehen – die Kommunen zum Beispiel, die natürlich wissen wollen, was da auf sie zukommt in Sachen Schwertransport“, sagt er. Und er ist sich auch bewusst, dass es ohne eine Ortsumgehung Ueckermünde nicht geht. Das wiederum heißt, eine massive Unterstützung der Schweriner Ministerien ist notwendig – das SPD-geführte Energieministerium muss ran und auch das CDU-geführte Wirtschaftsressort. Einigkeit ist gefragt, denn das Land, sagt Dahlemann, muss schnell beim Bund entsprechende Anträge stellen. Bis 2017, 2018, schätzt der SPD-Politiker, könnte sich in Sachen Industriehafen und Zufahrtstraßen etwas getan haben.